Überschwemmung in Malawi
In den letzten Tagen haben wir neue Bilder aus Malawi erhalten. Die Umgebung unseres Waisenhauses steht unter Wasser. Wege sind überflutet, Felder unbrauchbar, Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.
Was uns besonders bewegt: Während wir diese Nachrichten direkt aus Malawi bekommen, liest man in Deutschland kaum etwas darüber. Dabei handelt es sich keineswegs um ein lokales Ereignis.
Eine regionale Katastrophe im südlichen Afrika – mit Folgen für Millionen Menschen
Seit Mitte Dezember 2025 sorgen außergewöhnlich starke und anhaltende Regenfälle in weiten Teilen des südlichen Afrikas für schwere Überschwemmungen. Klimatische Faktoren wie La-Niña-Bedingungen und langfristige Klimaveränderungen verstärken die Niederschläge deutlich.
Nach Angaben internationaler Organisationen sind inzwischen rund 1,3 Millionen Menschen betroffen. Besonders stark trifft es Mosambik, aber auch Malawi, Sambia, Simbabwe, Tansania und Südafrika sind betroffen. Straßen, Brücken, Häuser, Schulen und medizinische Einrichtungen wurden beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig erschwert die zerstörte Infrastruktur jede Hilfe.
In Malawi selbst wurden offizielle Warnstufen für Starkregen und Gewitter ausgegeben. Mehrere Regionen mussten sich auf Überschwemmungen einstellen. Die Bevölkerung wird angewiesen, niedrig gelegene Gebiete zu meiden und nicht durch fließendes Wasser zu gehen – eine Empfehlung, die in der Praxis oft kaum umsetzbar ist.

Die eigentliche Gefahr beginnt erst nach dem Regen
Überschwemmungen bedeuten nicht nur Wasser – sie bedeuten auch Krankheit.
Durch verunreinigtes Trinkwasser steigt das Risiko für Durchfallerkrankungen und Cholera massiv an. In mehreren Ländern der Region wurden bereits Ausbrüche gemeldet. Hinzu kommen Atemwegserkrankungen, Hautinfektionen sowie unterbrochene medizinische Versorgung. Gerade Kinder sind davon besonders betroffen.
Wenn Wege nicht passierbar sind, erreichen Medikamente die Menschen nicht mehr. Impfungen fallen aus. Chronische Erkrankungen können nicht behandelt werden. Eine Krise entsteht.
Was das konkret für unser Projekt bedeutet
Auch rund um das Waisenhaus sind Felder überschwemmt. Für viele Familien im Dorf bedeutet das:
Ernten fallen aus – und damit Einkommen und Nahrung.
Das betrifft uns unmittelbar. Denn steigende Lebensmittelpreise und schlechte Ernten erhöhen den Druck auf die Versorgung der Kinder. Genau deshalb setzen wir seit einiger Zeit bewusst auf Selbstversorgung durch Gemüsegarten und Tierhaltung – Maßnahmen, die in solchen Situationen plötzlich überlebenswichtig werden. Allerdings müssen wir mit dem Gemüsegarten – durch das Hochwasser – wieder bei Null starten und ihn von Grund auf neubauen.

Warum hören wir so wenig davon?
Diese Frage beschäftigt uns sehr.
Eine Katastrophe, die über eine Million Menschen betrifft, müsste eigentlich große Aufmerksamkeit bekommen. Doch in der europäischen Berichterstattung taucht sie nur selten auf. Dafür gibt es mehrere Gründe:
1. Entfernung und Wahrnehmung
Katastrophen erhalten Aufmerksamkeit, wenn sie als „nah“ empfunden werden – geografisch oder kulturell. Afrika südlich der Sahara liegt für viele außerhalb ihres täglichen Informationsraums.
2. Konkurrenz der Nachrichtenlagen
Kriege, Innenpolitik und wirtschaftliche Themen dominieren die Berichterstattung. Langsame Krisen – wie Hunger, Krankheiten oder klimabedingte Katastrophen – verschwinden schneller aus den Schlagzeilen.
3. Fehlende Bilderströme
Viele Medien berichten dort intensiv, wo Reporter schnell vor Ort sein können. In ländlichen Regionen Malawis gibt es kaum Kamerateams, kaum Infrastruktur und wenig kontinuierliche Berichterstattung.
4. Die „Normalisierung“ von Katastrophen
Wenn Überschwemmungen, Dürren oder Hunger regelmäßig auftreten, werden sie unbewusst als Dauerzustand wahrgenommen – und verlieren Nachrichtenwert. Für die Menschen vor Ort sind sie jedoch jedes Mal existenziell.
Wir halten euch auf dem Laufenden, wie sich die Situation entwickelt.



