Unser vierwöchiger Aufenthalt am Waisenhaus in Kalkfeld: Über das Aufräumen, Einkaufen und das traurige Schicksal der grünen Paprika

Unsere Ankunft:

Im Februar 2017 verbrachten wir, Stefan und Isabell, vier Wochen im Waisenhaus in Kalkfeld. Wir hatten zuvor bereits in einer Grundschule in Tansania ausgeholfen und Isabell arbeitete drei Monate in einem Waisenhaus in Ghana.

Unser erster Eindruck war: für afrikanische Verhältnisse ist das Waisenhaus gut ausgestattet und sauber, wenn auch für deutsche Verhältnisse etwas chaotisch und unaufgeräumt. Die Kinder wirkten überwiegend gesund, gut ernährt und fröhlich.

Was wir gemacht haben:

Unsere Arbeit vor Ort unterteilte sich primär in Spendenmanagement – oder einfacher gesagt: einkaufen –, organisatorische Tätigkeiten und die Zubereitung von Mahlzeiten.

Bereits vor unserer Ankunft besprachen wir mit Familie Hilleringmann, welche größere Anschaffungen durch Gelder des Fördervereins auf jeden Fall erfolgen sollten: neue Doppelstockbetten und Matratzen. Nach einer Inventarisierung vorhandener Schlafmöglichkeiten wurden somit sechs neue Doppelstockbetten, 16 dicke Matratzen und ein Einzelbett angeschafft. Zudem wurden zwei große und einfach zu bedienende Waschmaschinen benötigt – bei mittlerweile 53 Kindern fällt eine Menge Wäsche an! Neben diesen Großanschaffungen haben wir noch weitere kleinere Dinge gekauft, wie z.B. Stoffe für Vorhänge (die Justine im Anschluss selbst genäht hat), ein Bügeleisen und eine von einem lokalen Schreiner hergestellte Bank.

Zweimal in der Woche waren wir in der rund 65 km entfernt gelegenen Stadt Otjiwarongo, welche die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten besitzt. Busverbindungen wie wir sie kennen existieren zwischen Kalkfeld und Otjiwarongo nicht, weshalb man sehr auf den eigenen PKW angewiesen ist. Zwei große Einkaufswagen wurden jedes Mal mit Lebensmitteln gefüllt – der Kofferraum unseres kleinen VW Polo wurde immer voll ausgenutzt. Wir waren traurig und erstaunt zu sehen, dass die Lebensmittelpreise in Namibia denen in Deutschland in Nichts nachstehen bzw. manche Lebensmittel – wie Molkereiprodukte, Obst und Gemüse – meistens sogar noch teurer sind. Und das, obwohl ein monatliches Einkommen von unter 150 EUR für „einfache“ Tätigkeiten, z. B. in der Tourismusbranche, Gastronomie oder als Verkäufer, normal in Namibia ist.

 

Fazit: Lebensmittel sind zu genüge da, es können sich diese nur viele Menschen in Namibia nicht leisten. Dies trifft leider auch auf das Waisenhaus zu. Mit verschämten Blick auf unseren eigenen Einkaufskorb – der „Luxusgüter“ wie Äpfel, Bananen, Tomaten und Käse beinhaltete – haben wir deswegen kurzfristig eine kleine Spendenaktion in unserem privaten Freundeskreis ins Leben gerufen. Dadurch konnten wir für die Zeit unserer vor Ort Präsenz neben den Grundlebensmitteln – die durch den Förderverein getragen werden – auch regelmäßig Obst, Salat und Fleisch kaufen. Dies führte dazu, dass wir mehrmals in der Woche gemeinsam mit immer hilfsbereiten Kindern Obst und Gemüse schnibbelten und Salate herrichteten. Egal ob Oliven, saure Gurken oder Tomaten – Pingeligkeiten beim Essen gibt es hier nicht bzw. fast nicht: die grüne Paprika wurde von einigen verschmäht – in dieser Hinsicht sind Kinder wohl weltweit gleich.

Einen Großteil unserer Arbeit nahm die Organisation im Waisenhaus ein bzw. um präziser zu sein: das Aufräumen und Entrümpeln. Das Entdecken vieler vorhandener, aber nicht genutzter Bücher, Bastelmaterialien und Spiele hat zu unserem zweiten großen und durch Spendengelder des Fördervereins realisierten Projekt geführt: der Bau einer Spiel- und Bücherecke sowie die Bestandsaufnahme aller vorhandener Bücher und Spiele. Der Ehemann einer Hausmutter ist glücklicherweise handwerklich begabt und konnte somit die Planung und den Bau der Spiel- und Bücherecke übernehmen – auf den Tag genau wurde sie an unserem Abreisetag fertig, so dass wir sie noch einrichten und dekorieren konnten.

Was wir gelernt haben

Namibia ist zwar durch seine Geschichte als frühere deutsche Kolonie enger mit Deutschland verwoben als andere afrikanische Länder, die Arbeits- und Denkweise ist jedoch deutlich unterschiedlich. Was für uns auf den ersten Blick unverständlich ist, ist bei genauem Nachdenken und Verstehen der anderen Wohn- und Lebensweisen nachvollziehbar. Deshalb ist es wichtig, genau Hinzuhören und sich immer wieder mit den Verantwortlichen vor Ort und auf Augenhöhe auszutauschen.

Zudem waren wir überrascht, wie viel Potenzial einige Kinder trotz mangelnder pädagogischer Förderangebote haben. Egal ob fünf-, zehn- oder achtzehnjährig – von einigen Kids im Waisenhaus waren wir schwer beeindruckt und konnten mit Blick auf unsere eigene Persönlichkeitsentwicklung nur sagen: Wow, als wir in dem Alter waren, waren wir bei Weitem nicht so reif! Sei es die Übernahme von Verantwortung, die offene Art, Mithilfebereitschaft, Lernfähigkeit, das sich-selbst-Beschäftigen und auch das Zurückstellen eigener Bedürfnisse – und all dies bei der Beibehaltung von Träumen und Zielen. Wir haben mehr Lachen als Weinen gehört, auch wenn ein jeder sein eigenes großes Päckchen zu tragen hat – neben den Kindern nicht zuletzt auch die Hausmütter. Diese teilen für wenig bis gar kein Gehalt ihren ganzen Tag und manche sogar ihren Schlafplatz mit „fremden“ Kindern, führen aufgrund mangelnder Geld- und Fortbewegungsmittel einen immer gleichen Tagesablauf und stellen eigene Bedürfnisse und Wünsche komplett hintenan. Dass dies zuweilen zu Lethargie und auch Untätigkeit führt, ist nachvollziehbar und menschlich.

Ausblick: Vorhaben in Folge unseres Aufenthaltes

Ein wichtiger Baustein, der aktuell ins Laufen gebracht wird und auch zuvor vom Förderverein bereits geplant wurde, ist die regelmäßige Lieferung von Lebensmitteln an das Waisenhaus. Momentan ist es häufig ungewiss, wann und von wem Lebensmittel ankommen. Durch die verbesserte Absprache mit weiteren Unterstützern des Waisenhauses wird ab April 2017 eine Lieferung von Lebensmitteln im zwei-Wochen-Takt erfolgen.

Dadurch, dass einige Kinder der „ersten Generation“ des Waisenhauses mittlerweile auf weiterführende Schulen gehen – welche leider kostenpflichtig sind – erweitert sich die Unterstützung des Fördervereins über Kalkfeld hinaus. Dies stellt eine Herausforderung dar, da somit weitere Ausgaben des Waisenhauses hinzukommen, die zuvor noch nicht berücksichtigt werden mussten. Deswegen freut sich der Förderverein von nun an auch über individuelle, an Kinder der weiterführenden Schulen gerichtete Spenden. Sprechen Sie Familie Hilleringmann an, wenn Sie an einer solchen Unterstützung oder einen direkten Briefkontakt mit diesen Kindern Interesse haben!

Wir bedanken uns herzlich – auch und vor allem im Namen der Kinder und Mitarbeiter des Waisenhauses – bei den Mitgliedern und Unterstützern des Fördervereins!

Auch wenn wir vor Ort diese Dinge umgesetzt haben – ohne Ihre finanzielle Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen.

 

Vielen, vielen Dank !!!

Isabell und Stefan

Spendenkonto

Waisenhaus Kalkfeld e.V.
IBAN: DE68 4416 0014 6431 895800
BIC: GENODEM1DOR
Dortmunder Volksbank

Kontakt

Waisenhaus Kalkfeld e.V.

Am Mörhof 14

33181 Bad Wünnenberg

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